Gemeinsam für Afrika – Interview mit Anja Hanke, African Mag

„Gemeinsam für Afrika“ – durch dieses Herzensprojekt des African Mag – The Fine Art of Travel habe ich dessen Herausgeberin Anja Hanke kennen gelernt. Mit einer Interview-Reihe mit Safari-Unternehmen in Afrika und deutschen Afrika-Veranstaltern hat Sie die Auswirkungen, die Corona auf die Safari-Industrie hat, aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Wir haben mit der Journalistin über ihre Liebe zu Afrika und ihre Aussicht für die Zukunft gesprochen.

Wie hat Deine Begeisterung für Afrika begonnen?

Als junges Mädchen las ich einen Jugendroman, der in der Serengeti spielte. Es mag verrückt klingen, aber ich wusste damals schon, dass dieser Kontinent mich besonders berührt. Das Buch hüte ich bis heute wie einen Schatz. Als ich dann das erste Mal mit Mitte 20 tatsächlich nach Kenia reiste, habe ich mein Herz restlos verloren. Das Licht, die Landschaften, die Tierwelt, die Freiheit und vor allem die Herzlichkeit der Menschen – dieses wundervolle Gesamtpaket lässt mich einfach nicht mehr los. Und das ist absolut gut so!

Du hast den Kontinent schon unzählige Male bereist. Hast Du ein Lieblingsland?

Privat gesehen ist es im Lauf der Jahre bestimmt Südafrika geworden, denn längst haben sich hier wundervolle Freundschaften entwickelt. Eine Recherche, die mich ins südlichste Land des Kontinents entführt, ist somit auch immer mit einer ganzen Reihe an Besuchen gefüllt und hat im Verhältnis immer etwas Überlänge. 😉 Aber was mich wahrlich am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass sich Afrika nicht einfach in einen großen Topf werfen lässt. Dieser Kontinent ist so unglaublich vielfältig – an Landschaften, Kulturen und an Sprachen. Wie soll man die Massai Mara mit den Seychellen vergleichen? Ich denke auch, dass das die Faszination für viele ist. Afrika trifft einen mitten ins Herz, und wenn das geschehen ist, möchte man diesen facettenreichen Kontinent immer wieder besuchen und tiefer eintauchen. Genau dieses Bedürfnis ist auch die Basis für unser Magazin.

Mit Deiner kleinen Tochter bist Du auch schon nach Afrika gereist. Viele Eltern schrecken vor einer Fernreise mit Kindern zurück. Kannst Du die Vorbehalte verstehen?

Wir sind mit unserer Tochter das erste Mal nach Südafrika geflogen, als sie gerade einmal neun Wochen alt war. Die Reise haben wir geplant, während ich schwanger war, und wir freuten uns sehr, sie so früh in diese positive Energie bringen zu dürfen. Aber als die Kleine dann da und greifbar war, muss ich ehrlich gestehen, dass ich – obwohl wir das Land bereits kannten und genau wussten, worauf wir uns einlassen – großen Respekt vor unserer Entscheidung hatte. Es war tatsächlich meine Schwiegermutter, die uns dann sagte: „Zieht es durch, die Kleine wird es euch danken! Seid entspannt, dann ist sie es auch.“ Und in der Tat, es war das Beste, was wir machen konnten. Meine Tochter ist nun gerade fünf Jahre alt geworden und bereits mehrfach in unterschiedlichen Ländern Afrikas gewesen. Für sie fliegt jedes Flugzeug nach Afrika. Aber natürlich kann ich absolut nachvollziehen, dass Eltern Vorbehalte haben. Das beginnt ja bereits beim Flug und der Angst, dass die Kinder unruhig und die Mitreisenden dann genervt sind. Aber ich glaube, dass Afrika Familien unvergessliche gemeinsame Erlebnisse beschert. Und es ist meiner Meinung nach auch wichtig, dass Kinder so früh als möglich mit wilden Tieren in ihrer natürlichen Umgebung in Berührung kommen und um die Magie und Besonderheit dieses Erlebnisses wissen. Denn so werden sie zu Botschaftern und Fürsprechern für den Erhalt dieser einzigartigen Wildtiergebiete – und genau das brauchen die Tiere so unbedingt für ihre eigene Zukunft.

Was ist Dein Tipp für eine ideale Reise mit Kindern?

Das kommt ganz auf den Erfahrungsschatz der Eltern an. Für Neueinsteiger ist Südafrika sicherlich spannend. Es ist nicht so „wild“ wie manch anderes Land und logistisch auch gut selbst zu bereisen. Die meisten Weingüter in der Kapregion sind auf Familien eingestellt und bieten ein vielfältiges Programm für alle. Es gibt auch mehr und mehr Lodges, die bereits Kinder im jungen Alter aufnehmen, Junior-Ranger-Programme bieten oder einen Babysitter-Service, wenn die Kleinen noch nicht auf einem Game Drive mitfahren können. Für Badeurlauber ist Mauritius ein Paradies, denn die Insulaner lieben Kinder, was die Auszeit sehr entspannt macht. Wir haben bislang Malaria-Gebiete beim Reisen mit unserer Tochter gemieden, denn gerade bei ganz kleinen Kindern bin ich da doch vorsichtig. Aber wenn man sich gut beraten lässt, gibt es unglaublich viele Regionen und vor allem Jahreszeiten, in denen man unter diesem Aspekt auch in Länder wie Tansania, Kenia, Simbabwe, Namibia und Co. reisen kann.

Du kommst aus dem Food-Journalismus. Bei Afrika denkt man in der Regel nicht an Gourmetküche. Würdest Du dem zustimmen?

Absolut nicht. Als ich das erste Mal auf Flitterwochen in Südafrika war, bin ich mit meinem beruflichen Hintergrund komplett ausgeflippt. Die Kulinarik hat hier einen absolut hohen Stellenwert. Ich kann mich ganz ehrlich, an kein einziges Mal erinnern, an dem ich schlecht gegessen habe. Egal, wie einfach es war. Denn die Qualität der Produkte ist sehr gut – und die Kreativität der Köche ist einzigartig. Sie leben Genuss mit einer Leichtigkeit, die Spitzenköchen bei uns leider oft fehlt. Einige der besten Restaurants der Welt sind in Südafrika. Doch auch über dieses Land hinaus ist gutes Essen ein wichtiges Thema. Viele Lodges haben es längst verstanden, dass auch das kulinarische Erlebnis zu einer gelungenen Safari gehört. Nicht wenige haben einen eigenen Anbau. In vielen Städten über den ganzen Kontinent verteilt gibt es spannende Food-Szenen. Und man muss auch hier wieder bedenken, wie vielfältig der Kontinent ist: von Trüffeln in der Kalahari bis zum Arganöl in Marokko. All das ist die Speisekammer Afrikas.

Gibt es eine ganz besondere Begegnung, einen bestimmten Ort, der sich Dir ins Gedächtnis gebrannt hat?

The Highlands von Asilia Africa. Wir waren dort auf der Recherche für unser Ngorongoro Krater-Spezial. Es war das Gesamtpaket. So weit weg von jeglicher Zivilisation in direkter Nachbarschaft zu den Massai-Dörfern, deren Leben wir hautnah mitverfolgen durften. Die spannende Machart des Camps mit seinen Kuppelsuiten, die mit der Natur zu verschmelzen scheinen. Aber vor allem wieder einmal die Begegnung mit den Menschen. In den Tagen dort stand nicht das gängige Safari-Erlebnis im Vordergrund, sondern die zwei weiteren Krater der Ngorongoro Conservation Area, Empakaai und Olmoti, die wir ganz alleine mit zwei Massai bewandert sind. Dabei sind unglaublich intensive Gespräche entstanden, die uns gezeigt haben, wie gleich wir doch alle sind – und wie gegensätzlich auch. Einfach unvergesslich.

Anja Hanke im Gespräch in Tansania

Da Du für die Reportagen im African Mag immer aufwändige Recherchen vor Ort unternimmst, hattest auch Du eine Zwangspause. Welche Geschichten und Länder hast Du für die nächste Ausgabe in Planung?

Ja, leider. Die Pandemie hat uns wie die gesamte Reisebranche hart getroffen. Aber wir sind guter Dinge und werden im späten Frühjahr 2021 mit der nächsten Ausgabe erscheinen. Sie wird wieder ein Spiegel des Kontinents sein, denn Ziel ist es immer, ähnlich abwechslungsreich wie Afrika selbst zu sein. Wir reisen nach Südafrika, Namibia, Botswana, Kenia, Tansania und Marokko und begegnen dabei unglaublich spannenden Menschen, die sich mit Leidenschaft für ihre Träume und etwas Gutes einsetzen. Unser Spezial entführt uns dieses Mal ins Inselparadies Mauritius, das wir aber von einer ganz neuen Seite vorstellen möchten.

Mauritius - Foto Jelena Moro

In diesem Jahr haben viele Menschen ihren Urlaub lieber in Deutschland oder Europa verbracht. Glaubst Du, dass sich der Trend fortsetzten wird – oder denkst Du, dass Afrika nach der Krise einen Boom erleben wird?

Ich denke, es ist schwer, das zu Pauschalisieren, denn wir leben alle aktuell in einer sehr ungewöhnlichen Realität. Aber ich bin mir absolut sicher, dass Afrika mit seiner Weite, Schönheit und der einzigartigen Möglichkeit, nachhaltig und erdend zu reisen, perfekt für das Reisen mit und nach Corona ist. Social Distancing ist hier quasi kein neuerfundenes Attribut – es ist von der Natur vorgegeben, dass die Nationalparks viel Raum für Mensch und Tier bieten und damit für einmalige Begegnungen und ein Gefühl von Freiheit und des Angekommenseins, das man sonst nirgends so erleben kann. Ich hoffe sehr darauf, dass die Menschen wieder und noch bewusster reisen werden. Um es ganz klar zu sagen: Ja, ich glaube, dass Afrika einen Boom erleben wird, und ich bin mir sicher, dass jeder Urlauber, der die Reise antritt, verändert, beeindruckt und glücklich nach Hause kommen wird.

Vielen Dank für das Interview, liebe Anja!

Bilder: African Mag/ Jelena Moro

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