Wein aus Südafrika: Genießen und Gutes tun

Südafrika hat einen der härtesten „Lockdowns“ der Welt. Neben Ausgangsbeschränkungen gilt auch ein Alkoholverbot. Welche Auswirkungen dies auf die Weinindustrie vor Ort hat, haben wir mit absoluten Kennern der südafrikanischen Weinszene besprochen, Steffi und Thomas Curry vom Südafrika Weinversand. Doch natürlich kommen auch die genussvollen Themen nicht zu kurz.

Steffi und Thomas, ihr habt uns erzählt, dass ihr einen „Hilferuf“ von vielen eurer Winzer erhalten haben. Erzählt uns etwas über die Situation vor Ort und die Bedeutung des Weinanbaus für Südafrika.

Südafrika ist in Not und die Betriebe im Weinanbau und alle die da mit dran hängen sind es auch.

Südafrika führt weitreichend Test durch. Nachdem zunächst das Western Cape starkt betroffen war (hier fallen die Zahlen zum Glück wieder deutlich), steigen die Covid Zahlen im restlichen Land rasant. Zwar liegt die Zahl der Sterbefälle, vermutlich wegen der vielen jungen Menschen im Land, prozentual deutlich unter den Fallzahlen in Europa, dafür sind die wirtschaftlichen Auswirkungen ungleich härter und das trifft die Mehrheit der Bevölkerung und insbesondere die Wein- und Tourismusindustrie hart.

Weil hunderttausende Ihre Jobs verloren haben steigt die Zahl derer die nichts oder nicht genug zu Essen haben dramatisch. Zwar ist die Solidarität im Land überall unglaublich und doch wissen viele morgens nicht ob sie heute was zu Essen bekommen. Die Regierung hat selbst kein Geld, dementsprechend schwer fällt auch ihr die Unterstützung.

Besonders hart getroffen hat es die Weinindustrie.

Nach kurzer Öffnung des lokalen Marktes wurde der Verkauf von Alkohol im Inland wieder komplett untersagt. Grund ist die Erfahrung des ersten Verbots die zeigte, dass bei Alkoholverbot viel weniger Menschen in Krankenhäuser eingeliefert werden. (Verbrechen, Schlägereien, Autounfälle) Diese Betten stehen nun für den Kampf gegen Covid zur Verfügung. So einleuchtend der Grund, so drastisch die Folgen für die Betroffenen in der Weinindustrie.

Grade sind geschätzte 20% der rund 300.000 Beschäftigten in dieser Industrie dabei Ihren Job zu verlieren und das ist erst der Anfang. Das trifft Feldarbeiter, Mitarbeiter in Tasting Rooms, das trifft Kollegen im Vertrieb, im Marketing und auch Weinmacher. Hatten viele Farmen den ersten „Lockdown“ noch überlebt, schließen nun immer mehr Betriebe für immer die Türen. Die, die noch da sind hängen nun auf Gedeih und Verderb vom Export ab, aber natürlich sind dort die Möglichkeiten begrenzt, der Wettbewerb ist enorm. Schwächere Anbieter werden die Preise senken und sich so zusätzlich in Not bringen. Die Aussichten sind verheerend. Was die Konsumenten andernorts freut ist hier schlicht ein Desaster.

Wie können wir den Winzern und deren Mitarbeitern helfen?

So unwichtig wir von suedafrika-weinversand in diesem großen Zusammenhang auch sein mögen, so sehr haben wir uns in dieser, für unsere Kollegen existentiellen Krise doch ein paar Dinge vorgenommen und hoffen damit viele Südafrika Fans an unserer Seite zu haben.

• Wir trinken soviel wir können, ohne unserer Gesundheit zu schaden
• Wir werden nicht müde die Südafrika Weinfahne zu schwenken, wo immer wir können.
• Wir werden darauf verzichten unsere Lieferanten aktuell im Preis zu drücken, weil die im Augenblick jeden Euro dringend brauchen.

Bestimmt halten viele ihren möglichen Beitrag für unbedeutend und sicher haben sie damit Recht, gleichzeitig gilt aber auch, dass wir gemeinsam unglaublich stark sind.

Erzählt uns ein wenig über euch: wie ist eure Liebe zu südafrikanischen Weinen entstanden?

Wow, Sie haben nicht genug Zeit zu lesen was wir dazu alles zu sagen hätten, deshalb die Kurzform.

Als Flugbegleiterin verliebten ich, Steffi, mich vor mehr als 20 Jahren gemeinsam mit meinem Mann, während eines nur eintägigen Aufenthalts, in die Kapregion. Später sorgten diverse glückliche Zufälle dafür, dass wir Weinhändler und Importeure wurden. Und was lag näher als sich auf die Weine der Region zu konzentrieren die man liebt. Seit nunmehr 18 Jahren dürfen wir erleben wie die Qualitäten sich auf breiter Front in die absolute Weltklasse gesteigert haben und wir sind froh diese enorme Vielfalt und Qualität mit unserem Kunden teilen zu können. Grade was die Vielfalt betrifft aber fürchten wir die aktuelle Entwicklung sehr und hoffen, dass möglichst viele unserer langjährigen Partner durchhalten können.

Die Weine aus dem Genussdreieck von Stellenbosch, Paarl und Frankschoek in den Winelands sind auch bei uns sehr bekannt. Welche Region lohnt es sich sonst noch zu entdecken?

Neben Wellington fallen uns da besonders die Region Swartland und die cool climate Region jenseits des Sir Lowry’s Passes ein. Dazu zählen etwa Elgin und das Hemel en Aarde valley.

Im Swartland machen Winzer wie Eben Sadie oder Andrea Mullineux Ihre Weine. Beide gehören anerkanntermaßen zu den besten Önologen der Welt und Eben Sadie wurde bereits zwei Mal als solcher ausgezeichnet. Die Weine aus dem Swartland sind häufig recht filigran und damit nicht jedermanns Sache. Einen Versuch wert sind sie allemal.

Leichter zu erschließen sind für Besucher in der Regel die wunderbaren Weine der cool climate Region. Elgin liegt auf dem Weg von Kapstadt nach Hermanus etwa auf halber Strecke an der an der Staatsstraße N2 und das Hemel en Aarde Valley führt unmittelbar von Hermanus landeinwärts.Grade hier sind viele Weingüter auf Besucher eingestellt und fast jede Kellerei ist ein Volltreffer. Aus dieser Region kommen ganz unbestritten die besten Chardonnays und Pinot Noirs. Namen wie Richard Kershaw, Bouchard Finlayson oder Ataraxia sind drei der Betriebe zu deren Weinen wir dort gerne raten.

Habt ihr ein Lieblingsweingut?

Ein Lieblingsweingut haben wir tatsächlich nicht, aber dafür einen Lieblings Weinmacher nämlich unseren Freund Rikus Neethling.

Den kennt hier kein Mensch, aber jeder wäre froh einen solchen Freund zu haben. Neben seinen eigenen Weinen, Bizoe Wines und denen von Croydon macht er zusätzlich die Weine unserer Eigenmarke Heart & Soul (es gibt einen Shiraz und einen Sauvignon Blanc) Diese riefen wir vor vielen Jahren ins Leben um auch über unser Geschäft Spenden zu sammeln für unseren gemeinnützigen Verein Lebenslinien e.V. 50 Cent aus dem Erlös jeder Flasche Heart & Soul gehen dorthin und helfen uns bei unserem Magic Muffin Projekt.

Und obwohl auch Rikus extrem unter der aktuellen Situation zu leiden hat kümmert er sich mit einem seiner Mitarbeiter weiter um die Verteilung der 7.000 Muffins die wöchentlich in der Lebenslinien Bäckerei entstehen und hilft so den Hunger wenigstens bei ein paar Kindern zu lindern.

Wenn Sie wieder nach Südafrika reisen dürfen – wohin wird Sie Ihre erste Verkostungstour führen?

Ganz ehrlich. Im Moment können wir gar nicht an genussreisen denken. Wir freuen uns einfach wenn wir die Mitglieder unseres Teams, von Südafrika -Weinversand und Lebenslinien e.V. wieder in die Arme nehmen können und werden gemeinsam mit ihnen in einem schönen Lokal feiern und auf Leben anstoßen!

Vielen Dank für das Gespräch, Steffi und Thomas.

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