Eine Zugfahrt in Kenia

2007 – zwei Wochen Kenia. Der Plan – ein bisschen Strand, ein bisschen Safari, ein bisschen Abenteuer. Zur Vorbereitung hatte ich natürlich zum x-ten Mal „Jenseits von Afrika“ geschaut. Und so stand für den „Abenteuer-Part“ sehr schnell fest, dass ich wie damals Karen Blixen mit der Eisenbahn nach Nairobi fahren und dort das Haus der Schriftstellerin besuchen würde.

Mit der Kenya Uganda Railway von Mombasa nach Nairobi

Eine mit Kreide beschriebene Tafel gibt eine ungefähre Ankunfts- und Abfahrtszeit an – die sich auch schon einmal um Stunden nach hinten verschieben kann. Ungefähre Abfahrtszeit – ca. 19h, ungefähre Fahrtdauer 12 – 15h.

Bahnhof Mombasa

Die Uganda Railway bietet drei Klassen an. In der dritten Klasse sitzt man in einem Großraumwagen, in der zweiten Klasse hat man einen Viererabteil, in der ersten Klasse ein Zweierabteil. Die dritte Klasse wird vor allem von Kenianern genutzt, die 2. Klasse von wenigen Touristen und der kenianischen Mittelschicht, die erste Klasse ist nahezu nur (weißen) Touristen vorbehalten.

Ich habe mich als Kompromiss (Stichwort Abenteuer) für die 2. Klasse entschieden. 2 Stockbetten in einem kleinen, nun sagen wir nicht ganz so sauberen Abteil. Während der Fahrt ist das obere Bett hochgeklappt, wenn man zum Essen geht, verwandeln die Zugmitarbeiter die Bänke zu einem Bett. Über die sanitären Einrichtungen sprechen wir lieber nicht. Doch der mangelnde Komfort ist schnell verdrängt, als eine Glocke ertönt und wir zum Essen gerufen werden.

Weißes Tischtuch, Porzellan, silbernes Besteck, die Kellner in weißen Jacken – Nostalgie pur. Und so viele „TIA“ (This is Africa) Momente. Die Deckenbeleuchtung sichtlich seit längerer Zeit defekt, doch statt sie zu reparieren, bringen die Kellner mit einer unglaublichen Seelenruhe abends Taschenlampen und befestigen sie an der Decke.

Nach dem Essen eine nicht ganz so komfortable Nacht auf der Pritsche – und dann frühmorgens heißt es beim Frühstück nur noch zum Fenster rausschauen und stauen. Wir fahren an kleinen Dörfern mit Rundhütten vorbei, an kleinen Bahnstationen, an denen Masai ebenso wie modern gekleidete Menschen geduldig auf den Zug warten, sehen Giraffen vorbeiziehen, die Landschaft, die ich aus „Jenseits von Afrika“ kenne.

Bahnstation Kenia

Nairobi kündigt sich mit schier endlosen Slums und recht propren Vorstädten an. Ein kurzer Bummel durch das hektische Zentrum und dann gleich raus nach Karen in eine andere Welt. Auf der Veranda sitzen, auf die Ngong Berge schauen – der Nostalgie-Trip ist perfekt.

Karen Blixen Haus

Strecke und Tickets der Kenya Uganda Uganda Railway

Ursprünglich führte die Strecke der Kenya Uganda Railway von Mombasa bis nach Kisumu am Victoria See bzw. via Kampala nach Kampese in Uganda. Aktuell wird aber nur noch die Route zwischen Mombasa und Nairobi bedient, die eine Länge von 530 km hat. Dienstags, donnerstags und sonntags geht es von Mombasa nach Nairobi, montags, mittwochs und freitags in die andere Richtung – manchmal allerdings auch nur an jeweils zwei Tagen die Woche.

Die Fahrt kostet „All Inclusive“ – also inklusive Bettwäsche, Abendessen und Frühstück in der ersten Klasse 4.405 Kenyan Shilling, in der zweiten Klasse 3.385 (ca. 40, respektive 30 €).

Das Ticket bekommt man direkt am Bahnhof von Mombasa gekauft.

Fazit: Wen spartanische Unterkünfte und schlechte hygienische Zustände nicht schrecken oder die Ungewissheit, wann der Zug nun wirklich fährt – für den ist die Fahrt ganz sicher ein tolles Erlebnis. Ich bin froh, dass ich sie damals unternommen habe.

Text: Daniela Köster

4 Kommentar(e)

  • Liebe Kollegen, wir Autoren, welche nun in der Rubrik „Teilzeitreisender: Bahnfahren“ gelistet wurden, sollten uns alle einmal persönlich zum „Bahnbloggergipfel“ treffen. Dies kann dann zum Anlaß werden einen ganz neuen Blog zu schaffen.

  • Das hört sich ja nach einem spannenden Abenteuer an. Ich mag Züge, die „ungefähr“ zu einer Zeit abfahren und auch nur eine „ungefähre“ Reisezeit haben. Klar, nicht im Alltag, aber auf Reisen ist das schon sehr spannend. Da darf’s dann auch ruhig ein bisserl schmuddelig sein. 😉

    Weiterhin viel Spaß beim Bahnfahren!

    • Genuss Touren sagt:

      Das sehe ich genauso. Im Urlaub ist es doch auch mal ganz schön, sich nicht der Uhr zu unterwerfen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen!

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