Kapstadt – Welt Design Hauptstadt 2014

Kapstadt, die Schöne zu Füßen des Tafelbergs. Sie lässt uns von Sonnenuntergängen am Bloubergstrand, von den bonbonfarbenen Häusern im Boo-Kap-Viertel oder von Ausflügen zu den kapholländischen Weingütern von Stellenbosch oder Franschoek träumen.

Kapstadt, die geteilte Metropole. Sie offenbart, dass unmittelbar neben der Postkartenidylle eine harsche Realität voller Armut existieren kann.

Kapstadt, die kreative Metropole Südafrikas. Sie zeigt uns als Welt Design Hauptstadt 2014, dass Kultur und Design mehr als Selbstzweck sind. Sie zeigt uns, dass Kultur das Leben verändern kann. So lautet das Motto der Welt Design Hauptstadt 2014 “Live Design. Transform Life – Lebe Design. Verändere Leben“.

Design als Motor der Veränderung

Wie keine zweite Stadt hat Kapstadt erfahren, wie „Design“ eine Stadt und ihre Bevölkerung verändern kann. Stadtplanung bedeutete im Zeitalter der Apartheid die Rassentrennung zu forcieren. Um Schwarz und Weiß voneinander zu trennen, wurden ganze Stadtteile wie der Distric Six dem Erdboden gleich gemacht. Dem Apartheidsregime war das kosmopolitische Miteinander dort ein Dorn im Auge.

Als sich Kapstadt für den Titel als World Design Capital 2014 beworben hat, tat sie dies nicht mit dem Anspruch eine fertige Design-Hochburg zu sein, sondern mit dem Anspruch, durch Design positive Veränderungsprozesse anregen zu können. Veränderungsprozesse im Hinblick auf eine äußerliche Transformation, aber auch im Hinblick auf den sozialen und wirtschaftlichen Wandel.

Design soll im wahrsten Sinn des Wortes Brücken schlagen – eine Verbindung zwischen Schwarz und Weiß schaffen, die Infrastruktur z.B. durch neue Radwege oder ein größeres Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ausbauen, das Leben der Capetonians verbessern.

Das Programm der Welt Design Hauptstadt 2014

Insgesamt 460 Projekte wurden für das umfangreiche Programm ausgewählt. Sie reichen von kunst- und kulturinspirierten Projekten bis hin zu ganz praktischen Themen, wie dem Umgang mit Resourcen.

Die Projekte sind in vier Themengebiete aufgeteilt:

“African Innovation. Global Conversation”: Afrikanische Ideen, die global berühren.

“Bridging The Divide”. Design soll die Stadt wieder verbinden und die Kommunen miteinander aussöhnen.

“Today For Tomorrow.” Nachhaltige Lösungen für Menschen und die Erde.

„Beautiful Space. Beautiful Things.” Inspirierende Architektur, Essen, Mode, Schmuck, Handwerk, Kunst und Kreativität.

Beispielhaft sei hier nur ein Projekt genannt, welches auf das Beste zeigt, wie Kultur das Leben verändern kann, wie Kunst Menschen einander näher bringen kann, die sich sonst nicht begegnet wären: die Mabobeng Township Experience in Kapstadt. In Kooperation mit Künstlern werden Privathäuser in Townships zu Galerien, Plätze zu Aufführungsorten. Capetonians und Touristen finden durch Kunst einen ganz anderen Zugang zu den Townships, den Bewohnern wird durch Kultur eine neue Welt eröffnet und vielleicht sogar eine neue Lebensperspektive gegeben.

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Bild: artstownship.com/

Auch wenn für Kapstadt das Jahr als Welt Design Hauptstadt 2014 bald zu Ende geht wird es 2015 vielleicht sogar noch spannender sein, die Metropole zu besuchen. Dann wird sich zeigen, wie nachhaltig der Einfluss von Kunst und Kultur auf das Leben der Menschen am Kap ist.

Text: Daniela Köster

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade von Tanja Praske

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2 Kommentare hinzugefügt

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  • 7 Okt 2014
    Liebe Daniela, ein dickes Dankeschön für diesen ergreifenden Beitrag zur Blogparade #KultTipp - toll, ich bin sehr angetan davon, da ich doch stark die Apartheit mit dem Land verbinde, was sicherlich auch noch der Fall ist. Die Tendenzen bzw. Kultur als Brücke zu verstehen, finde ich richtig. Von dem Video sind mir einige Phrasen geblieben, wie "access" and "lack of access" for ideas oder "need to find solutions where you don't have ressources", "doing Things with people and not for them". Es geht hier um Mündigkeit und Chancen. Kultur kann dabei helfen. Danke dir dafür! Sonnige Grüße aus München Tanja Antworten
    • 7 Okt 2014
      Sehr gern, liebe Tanja. Und es war ungemein spannend, zu dem Thema zu schreiben. Trennung, aber auch Vereinigung, ist noch immer ein großes Thema in Südafrika. Einerseits findet man kosmopolitsche Viertel wie Woodstock in Kapstadt, andererseits findet man von beiden Seiten eine klare Trennung (Stichwort "Affirmative Action"). So finde ich es um so besser, dass man versucht durch Kultur wie Du es so treffend sagst Chancen und Möglichkeiten zu geben. Herzliche Grüße Daniela Antworten

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