Wie viel Innovation benötigt das Reisen

Wie viel Innovation braucht das Reisen?

Ein Plädoyer für ein Mehr an Persönlichkeit und Individualität.

Technische Innovationen, die das Reisen einfacher machen

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin nicht innovationsfeindlich. Das Planen einer Reise wäre ohne E-Mail und Internet nicht mehr denkbar. Schnell die Verfügbarkeiten von Hotels und Flügen checken? Dank brancheninterner Buchungsportale kein Problem. Partner in der ganzen Welt per E-Mail in Sekunden erreichen? Was für ein Vorteil gegenüber den Zeiten, als man noch mit Fax gearbeitet und Stunden benötigt hat, um ein Fax zu senden. Partner oder Gäste per WhatsApp-Telefonieren in Regionen ohne Telefon- und Handynetz aber mit Wifi erreichen (in Afrika keine Seltenheit) – ein Segen, wenn etwas schnell geklärt werden muss. Vor Ort über GPS navigieren? Unverzichtbar.

Anonymisierung durch Technik

Gegen was ich mich jedoch sträube sind die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Portale, die das Planen und Buchen einer Reise immer anonymer machen. Argumentiert wird über Preise, Vergleichbarkeiten, Schnelligkeit. Über „objektive“ Kriterien – über Computeralgorithmen.

Reisen ist Emotion

Doch was ist Reisen? Reisen ist Emotion. Reisen ist Freude am Planen. Reisen ist nach der Buchung Vorfreude auf das Erlebnis. Reisen ist vor Ort Sehen, Riechen, Hören, Schmecken. Reisen ist in Erinnerungen schwelgen. Bei einem Glas Cabernet wieder das Picknick in Vergelegen vor mir sehen. Bei jedem Elefanten an meine sehr liebevollen Begegnungen mit den Dickhäutern in Botswana denken.

Reisen ist individuell

Luxushotels auf Mauritius. Objektiv ähneln sie sich in Ausstattung und Angebot in weiten Teilen, etwa das Paradis und das Belle Mare Plage. Beides Golfhotels mit wunderschönen Stränden, geschmackvollen Zimmern einer großen Auswahl an Aktivitäten und Restaurants. Doch trotzdem habe ich Gäste, die das Belle Mare Plage lieben und dem Paradis wenig abgewinnen können – und umgekehrt.

So denke ich oft an die Wort einer sehr guten Partneragentur aus Simbabwe. „Wenn ein Gast mit dem Hotel nicht zufrieden ist liegt das nicht am Hotel sondern daran, dass der Gast und das Hotel nicht zusammenpassen“.

Die Kunst ist es, aus der Masse an Unterkünften genau die richtige für den Gast zu finden. Und das geht nur, wenn ich das Hotel persönlich kenne und ein Gespür für den Kunden habe. Diese individuelle Verbindung zwischen Gast und Unterkunft kann eine noch so innovative App nicht leisten.

Eine Reise zu planen ist Erfahrungssache

Eine Reise zu planen benötigt Erfahrung. Vielleicht nicht beim Wochenendtrip innerhalb Europas. Bei einer Fernreise schaut es schon anders aus.
Hotelhomepages, Bewertungsportale und Kartenapps sind wunderbar für eine erste Orientierung.

Doch woher weiß der Betrachter, ob die makellosen Bilder auf der Homepage der Realität entsprechen und nicht nur einen Ausschnitt zeigen? Woher weiß er, ob die Bewertungen nicht gekauft sind? Und woher weiß er, dass der kurze Weg, den der Online-Routenplaner in Botswana anzeigt, in der Regenzeit zu einer fast nicht zu schaffenden Schlammpiste wird?

All dieses Wissen beruht auf der persönlichen Erfahrung der Reiseplaner.

Weg von den Online-Portalen – hin zur individuellen Beratung

„Die Renaissance des Reisebüros“ titelt die FAZ, „Urlauber kehren aus dem Netz zurück“ die WiWo. Sie schildern die Überforderung der Kunden im Online-Dschungel und ein erneutes Erstarken des Reisebüros gegenüber Buchungsportalen.

Und auch ich stelle bei meinen Gästen immer mehr fest, wie wichtig ihnen neben der individuellen Beratung der direkte Kontakt ist. Natürlich könnte die Reise per E-Mail bis ins Detail ausgearbeitet und bestätigt werden. Doch fast alle Gäste – und dies unabhängig vom Alter – rufen an. Leben sie in der Nähe, treffen wir uns zu einem Beratungsgespräch. Und Gäste die weiter weg wohnen, schicken mir immer häufiger Bilder von sich, damit auch ich weiß „mit wem ich es zu tun habe“.

Reisen braucht Innovation – aber nicht als Selbstzweck.

Innovationen haben das Reisen in den letzten Jahrzehnten immens vereinfacht. Reisen benötigt Innovationen, die das Planen und Organisieren unterstützen. Doch bei allen technischen Innovationen sollten wir eines nicht aus dem Auge verlieren: die Reisenden. Menschen mit ganz individuellen Wünschen und Bedürfnissen.

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